Studentin löst Schulleiter ab

Erst eine Vorsitzende, jetzt eine Chorleiterin: Beim Hellershofer Gesangverein geben
Frauen den Ton an

Von unserem Korrespondenten Hans Georg Frank

Der Männergesangverein in Hellershof wird immer weiblicher. Nach der Wahl von Katja  Frank zur Vorsitzenden, hat der Liederkranz mit Cosima Hermann erstmals in seiner 118-jährigen Geschichte eine Frau als Chorleiterin verpflichtet.

Wolfgang Hänle und Cosima Hermann

Nach den ersten sechs Singstunden finden beiden Seiten nur lobende Worte füreinander. Die große Bewährungsprobe steht am kommenden Sonntag beim Adventskonzert in der Kirche bevor.
Seit 1982 hatte Wolfgang Hänle die Sänger der „Eintracht“ dirigiert und als feste Größe im Kulturleben des Schwäbischen Waldes etabliert. Am 1. Oktober, beim Erntedankfest, stand der pensionierte Lehrer letztmals vor seinen Männern. Mit nunmehr 75 Jahren wollte der Ex-Schulleiter die verantwortungsvolle Aufgabe an eine jüngere Kraft übergeben.
Für die Nachfolge suchte der Traditionsverein geeignete Bewerber in zwei Fachzeitschriften. Obwohl Hellershof nicht ganz der Nabel der Welt ist, bewerben sich fünf Kandidaten, die auch zum Probedirigat anreisten. Ein sechster Interessent konnte sich die Fahrt ins Sandland sparen: Der US-Amerikaner aus Memphis musste nicht wegen mangelnder Qualifikation abgelehnt werden – er hätte sich nur auf Englisch verständigen können; Amtssprache beim heimatverbundenen Liederkranz ist eher Schwäbisch.
Nach Probeläufen und gegenseitigem Beschnuppern waren sich die Akteure sicher, mit der jüngsten Anwärterin die richtige Wahl getroffen zu haben. Cosima Hermann (20) aus Schorndorf ist quasi erblich vorbelastet, leitet doch ihre Mutter Gabriele mit großem
Erfolg die Gesangvereine in Waldhausen und Grunbach.
„Sie hat sich gefreut, dass ich jetzt auch in diesem Bereich mitmische.“
Cosima Hermann studiert zwar in Tübingen Jura, ihr aktueller Traumberuf ist Richterin. Aber sie kann schon auf eine erstaunliche Karriere als Musikerin zurückblicken. Sie gehörte vier Jahre lang als Geigerin dem Bundesjugendorchester an, einer Auswahl der besten hundert Nachwuchsmusiker zwischen 14 und 19 Jahren aus der ganzen Republik. Mit dem Elite-Ensemble gastierte sie auch in Shanghai und Peking. Für den damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck gehörte Cosima Hermann zu den „Botschaftern eines Deutschlands, wie wir es gerne hätten“.
Vorher China, nun also Schwäbischer Wald. „Es macht mir Spaß“, sagt die junge Chorleiterin, die früher selber gesungen hat. Natürlich will sie ihre Kasse für das Studium im 95 Kilometer entfernten Tübingen ein bisschen aufbessern, aber sie hat sich vor allem vorgenommen, die „Eintracht“ zu neuen Höhen zu führen. „Die Sänger sind auf einem guten Niveau, Herr Hänle hat gute Vorarbeit geleistet“, sagte sie anerkennend. Aber an der Technik könne noch etwas gefeilt werden, die Intonation lasse sich verbessern, alles soll noch einen Tick genauer klingen.
Die rund 20 Mannsbilder folgen der Anführerin ohne Murren. „Sie sind sehr diszipliniert und hören auf mich“, stellt sie erfreut fest. „Sie ist sehr musikalisch“, lobt Vorgänger Hänle, der jetzt mit seinem Tenor die Sänger verstärkt. Die Herren haben wohl zu ihrem eigenen
Erstaunen festgestellt, dass die Singstunde kurzweiliger geraten ist. Sie merken gar nicht mehr, wie schnell am Donnerstagabend die Zeit vergeht. Die Vereinsleitung hofft, dass dank der sympathischen Studentin der Chorgesang auch für jüngere Männer attraktiv sein
könnte.
Eine weitere Stufe der Feminisierung werde es allerdings nicht geben, versicherte die 1. Vorsitzende Katja Frank. Gemeint ist damit ein gemischter Chor: „Wir haben ja schon eine gut funktionierende Singgruppe mit engagierten Frauen.“ (hgf)

INFO

Das Adventskonzert der Eintracht findet am kommenden Sonntag in der Hellershofer Kirche statt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Neben dem Männerchor wirken die Singgruppe und Instrumentalmusiker mit. Auf dem Programm stehen neun Lieder, mit denen Cosima Hermann das Publikum besinnlich auf Weihnachten einstimmen möchte. Der Eintritt ist frei, eine Spende für die Vereinskasse ist willkommen.

Das Konzert am 1. Advent hat seinen Ursprung in einer „kirchenmusikalischen Feierstunde“, die erstmals 1989 organisiert worden ist.

Eine Frau lenkt den Männerverein

Neuer Vorstand beim Hellershofer Liederkranz – Managerin mit Bühnenerfahrung übernimmt die Führung

Sensation im Sandland: Erstmals führt eine Frau einen Männergesangverein. Ihr Stellvertreter ist ein Amerikaner aus Chicago. Sie wollen dem Traditionsclub eine  neue Perspektive geben.

Hellershof. Wolfgang Hänle ist als erfahrener Pädagoge mit allerlei Problemen vertraut. „Jetzt wird es schwierig“, prophezeite der frühere Schulleiter in seiner Eigenschaft als Wahlleiter bei der Hauptversammlung des Liederkranzes Eintracht Hellershof. Der Kassier Günter Wahl war gerade in seinem Amt bestätigt worden, einfaches Zeichen per Hand hatte genügt. Aber nun musste eine neue Führungsmannschaft gefunden werden. Tobias Hermann hatte aus persönlichen Gründen seinen Rückzug angekündigt. Der 36-jährige Gschwender war 2009 zum zweiten Vorsitzenden bestimmt worden. Seit einem Jahr stand er allein am Ruder des Vereinsschiffs. „Kommissarisch“ gab er gleichsam den Kurs vor. Günther Frank aus Hundsberg war nach über 40 Jahren als höchster Funktionär der Eintracht quasi in den Ruhestand gegangen. Heute ist er Ehrenvorsitzender der „Eintracht“

Für den eingetragenen Verein ging es an diesem Abend um nichts weniger als die Zukunft. Würde sich kein Vorstand finden, müsste erneut eine Versammlung einberufen werden. Bliebe auch dieser Versuch erfolglos, drohte von Gerichts wegen so etwas wie ein Insolvenzverwalter. Fände dieser niemand, der die Verantwortung übernehmen wollte, müsste die Existenz der gemeinnützigen „Eintracht“ beendet werden.

Doch so weit wird es nicht kommen. Wahlleiter Hänle fragte die anwesenden Mitglieder, wer als zweiter Vorsitzender kandidieren möchte. Und siehe da, mit geziemender Überlegungssekunde ging eine Hand hoch – von Christopher „Chris“ Macchini (33). Der US-Amerikaner aus Chicago hatte der Liebe wegen ins beschauliche Sandland gefunden, war vom Vater seiner Freundin in die Singstunde mitgenommen worden – und fand sofort Gefallen daran. Seine Wahl war reine Formsache.

Zum absoluten Novum dagegen geriet die Wahl der „Nummer 1“. Auf Hänles Aufforderung meldete sich – eine Frau. Katja Frank (33) erklärte sich bereit, die Vakanz zu beenden und fortan in einem Männergesangverein den Ton anzugeben. Bei einer Enthaltung sprachen ihr die Mitglieder offen das Vertrauen aus. „Das haben wir inständig gehofft“, kommentierte der Wahlleiter die Entscheidung und gelobte im Namen aller, „dass wir unser Bestes geben“. Katja Frank, Managerin bei einer Eventagentur in Künzelsau, die zu den Top 10 in Deutschland gehört, bringe „hervorragende Voraussetzungen“ mit für ihre ehrenamtliche Aufgabe, gab sich Hänle überzeugt.

Im Chorverband Friedrich Silcher mit seinen 97 unterschiedlich aufgestellten Mitgliedsvereinen gibt es zwar 38 Frauen in einer solchen Spitzenposition. Aber keiner der 17 reinen Männerchöre ist sozusagen in weiblicher Hand.

Ehrung
Letzte Amtshandlung: Mit einem Geschenkkorb bedankte sich der stellvertretende Vorsitzende Tobias Hermann bei Hans Kugler, der über 30 Jahre lang die Vereinskasse prüfte.

„Ich bin gottfroh, dass wir wieder vollständig sind“, gab sich Tobias Herman erleichtert. Seinen Abschied verband er mit einem Geschenk für Hans Kugler aus Hüttenbühl. Der 80-Jährige hatte über 30 Jahre lang die Kasse geprüft, dafür gebührten ihm Dank und die Ernennung zum Ehrenmitglied. Seine Nachfolge übernimmt Gerhard Lang aus

Kaisersbach.

„Es kann nicht sein, dass ein so erfolgreicher Verein aufgelöst wird“, begründete Katja Frank ihre Kandidatur. Sie sei mit dem Verein aufgewachsen, sei von ihrem Vater, dem heutigen Ehrenvorsitzenden, nachhaltig geprägt worden. Schon von Kindesbeinen an habe sie erlebt, mit welchem Pensum an Arbeit und Engagement der Vorsitz verbunden sei, „aber das schreckt mich nicht ab“. Ihr gehe es auch um die Zukunft der populären Jahresfeiern. Bei diesen habe sie erstmals 1992 auf der Bühne gestanden. Die Sechsjährige entzückte damals das Publikum mit „A Stückerl heile Welt“. Seither ist die dynamische Frau eine der Stützen der gemischten Singgruppe, die keine eigenständige Abteilung des Vereins ist, aber ein Garant für den Erfolg.

Wie das Gespann Frank und Macchini den Liederkranz ausrichten wollen, bleibt noch ein Geheimnis.  Dass die beiden bestens miteinander geschirren können, haben sie schon

Vorstand
Das neue „Dream Team“ des Hellershofer Liederkranzes: Katja Frank und Christopher Macchini wollen die Existenz des Vereins gemeinsam sichern.

mehrfach bei der Jahresfeier bewiesen. Ein Wahlversprechen gab es nicht. Der Verein soll noch besser in den drei Sandland-Gemeinden verankert werden, Familien und Kinder könnten einbezogen werden, hieß es vage.

Zunächst aber muss das Vorstandsduo einen neuen Chorleiter finden. Wenn Wolfgang Hänle im Herbst 75 Jahre alt wird, will er aufhören. Vor 35 Jahren ließ er sich auf das Abenteuer ein: „Es war eine schöne Zeit, manchmal auch stressig, aber jetzt ist es genug.“

INFO:
Der Liederkranz Eintracht Hellershof ging aus einem 1899 gegründeten Kirchenchor hervor. Heute gehören ihm 92 Mitglieder an, davon sind 19 Männer aktive Sänger. Für ihre Verdienste wurden sechs Funktionäre zu Ehrenmitgliedern ernannt, zählte Schriftführer Hartmut Schurr bei der Hauptversammlung auf. Zu den Singstunden trifft sich der Chor im Schulhaus von Hellershof, wo die frühere Lehrerwohnung größtenteils in Eigenleistung in das Vereinsdomizil umgewandelt worden ist.

Sandländer schätzen Schlager

Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins mit Ohrwürmern von damals und heute

Von unserem Korrespondenten Hans-Georg Frank

Kaisersbach. Vor ihrem ersten Besuch war Tanja Worthmann aus Murrhardt in den höchsten Tönen vorgeschwärmt worden, dass die Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins aus dem Rahmen des Üblichen fällt. Was ihr die „Eintracht“ dann in der zweimal ausverkauften Kaisersbacher Gemeindehalle bot, hat ihre hohen Erwartungen mehr als erfüllt. „Sehr schön, super, kurzweilig, professionell, sehr gelungen“, fasste sie ihre Eindrücke zusammen. Nächstes Jahr wolle sie wiederkommen. Karten ließen sich auch etliche Stammgäste von Gaildorf über Gschwend nach Gmünd bereits für eine der beiden Vorstellungen am Wochenende nach Ostern 2018 reservieren.

Der Männerchor

Der Liederkranz wurde zwar 1899 gegründet und ist damit ziemlich in die Jahre gekommen. Aber der rührige Sandland-Verein beweist mit seiner ambitionierten Leistungsschau immer wieder, dass er Schritt hält mit einer Zeit, in der viele solcher Clubs auf der roten Liste der bedrohten Kulturformen stehen. Chorleiter Wolfgang Hänle hat seine nicht einmal zwei Dutzend Sänger erneut zu erstaunlicher Form getrimmt. Sie intonierten Gassenhauer aus der beschwingten Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, als Wochenend‘ und Sonnenschein – „und mit dir im (Welzheimer) Wald allein“ – noch zum Glück genügten.

Hardi Hänle

„Wir haben uns mächtig ins Zeug gelegt, wir haben gelernt und gebüffelt“, verriet Günther Frank, der als Ehrenvorsitzender das Publikum persönlich begrüßte. Die wochenlange Anstrengung galt vor allem jener populären Show, die zum Markenzeichen der „Eintracht“ geworden ist. Ein eingespieltes Team sucht unterhaltsame Lieder zu einem Thema und bringt sie mit Leidenschaft und Freude selber auf die Bühne, als stünden auf diesen Brettern gar keine Amateure. „Unser Herz schlägt Schlager“, lautete das Motto diesmal. Schon in der Lobby ließen sich die Fans mit passender Dekoration einstimmen. Die Garderobe war umzingelt von Schallplatten, Grammophon und Musikinstrumenten. An einer Candy-Bar gab es leckere „Schlagertaler“ aus Mürbteig, dazu jene klebrige Süßigkeit aus Nichts und Schokolade, die jetzt keinen rassistischen Bezug mehr haben darf.

„Heute ist ein Schlagertag“, versprach das erfahrene Ensemble ein akustisches und optisches Vergnügen. Fast zwei Stunden lang ging es kreuz und quer durch die Hitparaden der letzten Jahrzehnte, mit viel Sonne und noch mehr Herz, mit einer Brücke ins Glück und Biene Maja. Evergreens wie „Zwei kleine Italiener“ und „Rote Lippen soll man küssen“ wurden da bejubelt, ebenso aktuellere Ohrwürmer wie „Warum hast du nicht nein gesagt“ oder das „Salz auf uns’rer Haut“ der Seebären von Santiano. Dem unvergessenen Roy Black wurde ebenso ein Medley gewidmet wie dem einstigen Frauenschwarm-Trio „Flippers“.

25 gänzlich unterschiedliche Nummern, mal wehmütig, mal witzig bis wild, hatten die Sandland-Stars in ihrer Freizeit einstudiert und mit allerlei Überraschungen angereichert. „Schlager ist geil“, behaupteten sie und trafen damit den Nerv eines Publikums, dem ein paar Stunden ohne Terrornachrichten und Sorgen ums Sparbuch vergönnt waren. Natürlich durfte der fast echte Andreas Gabalier nicht fehlen. Mit Rosen bewaffnete Verehrerinnen, die forsch auf die Bühne stürmen, musste er sich allerdings mit konkurrierenden Charmeuren teilen.

 

Akteure und Helfer

Der Männerchor unter Leitung von Wolfgang Hänle begleiteten dessen Söhne Hermann und Hardi mit Trompete und Posaune sowie Bernd Büttner auf dem Clavinova. Zum „Eintracht“-Orchester von Chefarrangeur Martin Fordinal gehörten Heinz Brückner, Markus Martin, Werner Rothweiler, Karin und Heribert Schwenger. Die Showtruppe besteht aus Aylin und Daniela Deiss, Günther und Katja Frank, Hardi und Hermann Hänle, Anni Hirzel, Linda Hudelmaier, Chris Macchini, Günter Wahl, Bernd Weller, Monika Weller. In Küche, Service und Technik sorgten jeweils über 50 fleißige Helfer für einen reibungslosen Ablauf.

Für Fan erfüllt sich ein Herzenswunsch

Hellershofer Gesangverein würdigt bei seiner Jahresfeier-Revue die Heimatliebe

Für Überraschungen ist die Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins auch nach über vier Jahrzehnten gut. Das Publikum lässt sich so begeistern, dass sich viele Fans beim Applaus nicht mehr auf den Stühlen halten können.

Von unserem Korrespondenten Hans-Georg Frank

Kaisersbach. Der 2. April 2016 geht in die Geschichte des 1899 gegründeten Hellershofer Gesangvereins ein. Erstmals Jahresfeier Hellershof 2016 Debütbelohnte das Publikum die Leistungen der bestens disponierten Singgruppe bei der Jahresfeier mit Standing Ovations. Die Zuschauer und Zuhörer waren von den Leistungen auf der Bühne in der Kaisersbacher Gemeindehalle derart begeistert, dass es etliche förmlich von den Stühlen riss. Mit reichlich Applaus bedankten sie sich für einen wundervollen Abend – und erzwangen zwei Zugaben. Die Akteure waren sichtlich gerührt, hatte es eine solche Anerkennung doch noch nicht gegeben, obwohl die etwas andere Leistungsschau des Gesangs bereits seit 1973 geboten wird. Allerdings wissen die Sandländer Unterhaltungskünstler durchaus um ihre Qualitäten, muss doch ihre Show wegen des großes Interesses seit langem an zwei Abenden veranstaltet werden, weil die Nachfrage nach Karten so groß aus. Auch diesmal war wieder „volles Haus“.
Eine besondere Form der Wertschätzung pflegt Linda Hudelmaier aus Alfdorf. Sie gehört se

Jahresfeier Hellershof 2016 Hardi Hänle
Hardi Hänle

it gut 20 Jahren zu den treuesten Stammgästen. Immer wieder träumte sie sich auf die Bühne, wünschte sich kaum etwas sehnlicher, als einmal mit den so professionell wirkenden Amateuren mitzusingen. Nun fasste sie sich ein Herz und rief einfach Martin Fordinal an, den musikalischen Leiter. Zwar singt sie seit ihrer Konfirmation im örtlichen Kirchenchor, aber im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eines verwöhnten Publikums stand sie noch nie. Vorsitzender Günther Frank, der mit seiner Tochter Katja die Show maßgeblich konzipiert, erkannte den Unterhaltungs- und Werbewert des Ansinnens der Alfdorferin (Jahrgang 1948). Geschickt wurde die Wunscherfüllung ins Programm eingebaut. Nur Lindas Ehemann wusste einigermaßen Bescheid, die beiden ahnungslosen Töchter kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie seien „stolz und sprachlos“, sagten sie über Mutters Courage.
Linda Hudelmaier fand gleichsam eine neue musikalische Heimat, womit sich ihr Debüt bestens einfügte in das Thema des Abends: „Heimatliebe.“ In einer Zeit, da Flüchtlinge wegen eines Krieges oder politischer Verfolgung ihr Land verlassen müssen, sollte der Wert der Heimat besonders betont werden. Mit einer Feststellung des weltgewandten Superstars Herbert Grönemeyer überschrieben die Hellershofer Macher ihr Programm: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“ Der Männerchor der „Eintracht“, geleitet von Wolfgang Hänle, stimmte mit seinem eher traditionellen Beitrag auf die Wertschätzung der Herkunft und des Zusammenlebens ein. Die 18 Sänger, teilweise instrumental begleitet, verblüfften mit ihrer Ausdrucksstärke, mit der sie unter Beweis stellten, dass Qualität entscheidend ist, nicht Quantität. Für Überraschung sorgte die eigens für Gesangvereine arrangierte Schnulze „Zwei kleine Italiener“ von 1962, die das Heimweh der „Gastarbeiter“ aufgriff.
Jahresfeier Hellershof 2016 Hermann Hänle Katja FrankMehrfach zeigte sich, dass der Liederkranz gerade mit seiner Jahresfeier die Klammer zur Heimat ist. Hermann Hänle (Jahrgang 1973) kehrt als Marketing-Manager aus Stuttgart gerne ins Sandland zurück, bewährt sich mit Cello und Posaune ebenso wie als charmanter Duettpartner. Sein Bruder Hardi (Jahrgang 1975) ist im 255 Kilometer entfernten Freiburg zwar ein unverzichtbarer Bespaßer der Studentenschaft, aber sein Herz hängt so sehr an der Heimat, dass er mal eben eine Hymne gedichtet hat: „Meim gliabta Ländle, dem halt i a Ständle.“ Dabei dürfen natürlich Schätze wie „dr Hefazopf von dr Becka-Hilde“ nicht fehlen.
Heimatliebe in vielfältigster Ausprägung packte die Gesangs- und Instrumentalgruppe in ihre zweistündige Revue der Superlative. Dabei ging es größtenteils sehr fröhlich, flott und frisch zu, doch es klangen auch nachdenkliche Töne an, wenn gleichsam gebetet wird: „Lieber Gott, zeig den Menschen den Weg.“ Auch die „Heimat im Glauben“ der Kastelruther Spatzen mahnte zu mehr Wertschätzung: „Für jede Stunde hier auf Erden, Herr, dank ich dir.“ Viel gefühlvoller als das
Original gelang Bernd Weller und Aylin Deiss „Deine Heimat will ich Jahresfeier Hellershof 2016 Aylin Deiss 2sein“. Die 16-jährige Schülerin aus Schorndorf war sowieso der Liebling des Abends. Vor elf Jahren wagte sie sich das erste Mal auf jene Bretter, die angeblich die Welt bedeuten. Mit Talent und Ehrgeiz hat sie sich zu einer erstklassigen Sängerin entwickelt. Dass sie dabei die Bodenhaftung nicht verliert, führte sie mit ihrem frenetisch gefeierten „I bin a Dorfkind“ vor Augen und Ohren.
Fasziniert stellen Stammgäste fest, mit welchem Engagement sich das Drei-Generationen-Team in ihrer selbst geschaffenen Wohlfühl-Atmosphäre immer wieder zu Höchstleistungen anspornen, somit weit entfernt sind von einer Kopie ihrer selbst. Dazu passt die akustische und optische Verstärkung, die Martin Fordinal zu verdanken ist. Er erkannte die stimmlichen Fähigkeiten seiner Schwiegertochter Marina und gewann sie als Sängerin. Der Einstand der pharmazeutisch-technischen Assistentin (Jahrgang 1985) hätte besser nicht gelingen können. Harmonisch fügte sie sich in ein Ensemble, das auch über Naturtalente Jahresfeier Hellershof 2016 Premiere Linda H mit Günter Wahlwie Günter „Wahlo“ Wahl verfügt, der als spaßige Version von Andreas Gabalier fast schon zum Inventar zählt. Und es ist schon arg rührend, wenn ein Amerikaner wie Chris Macchini in echten Lederhosen in den höchsten Tönen das Edelweiß preist.

 

 

INFO

Die Akteure und ihre Helfer

Jahresfeier Hellershof 2016 Männerchor
Der Männerchor des Liederkranz Eintracht Hellershof

Den Männerchor begleiteten Saskia Daiß (Oboe), Bernd Büttner (Klavier) und Hermann Hänle (Trompete, Cello), Dirigent ist Wolfgang Hänle. Zum Hausorchester unter der Leitung von Martin Fordinal gehörten Heins Brückner, Markus Martin, Werner Rothweiler, Heribert und Karin Schwenger. Die Gesangsgruppe bildeten Aylin und Daniela Deiss, Marina Fordinal, Günther und Katja Frank, Hardi und Hermann Hänle, Anni Hirzel, Chris Macchini, Günter Wahl, Bernd Weller, Monika Weller. In Küche, Service und Technik sorgten mehr als 50 Helfer für einen reibungslosen Ablauf.

Weihnachtskonzert des Liederkranz „Eintracht“ Hellershof

Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Hänle

Schon knapp eine Stunde vor Konzertbeginn fanden sich die ersten Besucher in der heimeligen Hellershofer Dorfkirche ein, die beim Weihnachtskonzert des Hellershofer Liederkranzes wieder bis auf den letzten Platz gefüllt war.

„Machet die Tore weit“ ist die berühmte sechsstimmige Adventsmotette von Andreas Hammerschmidt (1611-1675).
Daran angelehnt schuf Willy Trapp einen wuchtigen Männerchorsatz, den der Liederkranz, begleitet von Orgel und Instrumentalensemble zu Beginn vortrug.
Das Thema des sich Öffnens für das Kommen des Erlösers, des sich Bereitmachens klingt auch an im schlichten „Seht es kommt die heilige Zeit“. In der Jugendbewegung griff man gerne auf alte Melodien und Themen des Weihnachtsfestes zurück – so auch auf das Thema der Verkündigung der Geburt Christi in dem Lied „Maria war alleine“ zu einer Melodie von 1602, schön, schlicht und dennoch ausdrucksvoll von Bernd Weller vorgetragen.

Auch das „Ave Maria“ passt in diesen Zusammenhang. Der dem flämischen Komponisten Jacob Arcadelt (1504 -1568) zugeschriebene, fast etwas romantisch anmutende A-capella-Chorsatz gehörte zu den Höhepunkten des Konzerts.

„Mettenjodler“ aus Südtirol geboten

Die aus dem zweiten Teil der Jahresfeiern des Chores bekannte und von Martin Fordinal geleitete und begleitete Singgruppe gestaltete den adventlichen Teil mit dem anrührenden „Mettenjodler“ aus Südtirol und dem schlichten „Sing ma im Advent“, beides im wirkungsvollen Arrangement von Lorenz Maierhofer. Der erste Teil des Konzerts endete mit dem gemeinsamen Lied „Tochter Zion“.
Zu den von der Jugendbewegung wiederentdeckten Liedern gehört auch „Es kommt ein Schiff geladen“, eines der ältesten Weihnachtslieder. Zusammen mit zwei Liedern aus Ungarn (Es kam ein Engel) und Frankreich (Gloria in excelsis Deo) über Engel und Hirten auf den Fluren Bethlehems wurde es von den Männern der „Eintracht“ schön gestaltet vorgetragen, ergänzt durch eine Hirtenweise der Instrumentalgruppe.

Eines der aus Amerika stammenden Weihnachtslieder, das sich im Gegensatz zu „Jingle Bells“ und „Santa Claus“ wirklich mit der Weihnachtsgeschichte befasst, ist „O Little Town of Bethlehem“, das auf Deutsch auch im Evangelischen Gesangbuch (Nr.55) zu finden ist. Bekannt wurde es auch durch die Interpretationen von Elvis Presley, Ella Fitzgerald, Bob Dylan und anderer Künstler der Pop-Branche. Der aus Chicago stammenden Sandländer Sänger Chris Macchini trug es vor – natürlich sehr sauber und in tadellosem Englisch.

Die Melodie des folgenden Liedes „Hark the Herald Angels sing“ stammt von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der Text ist, wie Pfarrer Bauer erläuterte, von Charles Wesley, einem der Begründer der methodistischen Bewegung, aus der die Methodistische Kirche hervorging.
„Als die Welt verloren“ aus Polen und das bekannte aus dem alten Österreich (Salzburg und Grafschaft Glatz) stammende Lied „Der Heiland ist geboren“ wurden zusammen mit den Instrumenten vorgetragen, die danach noch eine fröhliche weihnachtliche Weise spielten.

Die Gesangsgruppe fasste die im Konzert angesprochenen Gedanken und Stimmungen zusammen mit „Wieder naht der heil’ge Stern“ von Lorenz Maierhofer. Es folgte vom selben Komponisten das feine „Still zünden wir ein Licht nun an“. Während des Vortrags trugen Ben und Paula, zwei fünfjährige Kindergartenkinder, andächtig und konzentriert eine brennende Kerze nach vorne.

„Zu Bethlehem überm Stall“ erinnert in seiner volkstümlichen und abwechslungsreichen Gestaltung an die italienischen Hirten, die in der Barockzeit in den Städten zu Weihnachten ihre Pastoralen vortrugen.

Nach lang anhaltendem herzlichen Beifall erklang von Singgruppe und Männerchor gemeinsam die traditionelle Zugabe, die „Weihnachtsglocken“, bevor Sänger und  Besucher bei einem Gläschen Glühwein auf dem Kirchplatz den Abend nach- und ausklingen ließen und bereichert nach Hause gingen.

Das Einmaleins fürs Glücklichsein

Liederkranz Hellershof setzt bei seiner Frühjahresfeier neue Akzente – Zweimal volles Haus

Nie zuvor waren die Karten für die Frühjahrsfeier des Hellershofer Gesangvereins so begehrt wie dieses Mal. Was in Kaisersbach geboten wurde, hatte die große Resonanz tatsächlich verdient.

Jahresfeier 2015
Männerchor bei der Jahresfeier 2015

„Super wie immer“ lobte Hermann Witzig die Leistung des Männerchores, der traditionell den ersten Teil des Programms gestaltete. Witzig ist ein Mann vom Fach, er führte zwölf Jahre lang jenen Kaisersbacher Gesangverein, der jüngst nach 131 Jahren mangels Mitstreitern aufgelöst werden musste. „Es ist erstaunlich, was die Hellershofer zustande bringen“, musste er anerkennen. Chorleiter Wolfgang Hänle hatte aus dem gut 250 Titel umfassenden Repertoire der 21 Sänger neun Lieder ausgesucht, mit denen „verschiedene Bereich des menschlichen Lebens gestreift werden“ – Liebe und Leid, Genuss, Abschied, mal ernst, mal heiter, schmissig ebenso wie getragen, auf Deutsch, Italienisch und Französisch, von Mozarts „Ständchen“ bis zu Israels Siegertitel des Eurovision Song Contests von 1979, „Halleluja, sing ein Lied“.

Die „Eintracht“ führte vor, welch breites Spektrum konventioneller Chorgesang heutzutage haben kann. Auch mit der Leistung seiner engagierten Akteure war der pensionierte Lehrer Hänle durchaus zufrieden: „Besser als gut.“

Mit „Sandländer Fernsehgarten“ waren die beiden Vorstellungen in der Kaiersbacher Gemeindehalle überschrieben. Damit konnte eine eigene Version der beliebten Sonntagssendung des ZDF entwickelt werden. „Bunt wie ein Garten ist unser Programm, es soll Balsam für die Seele sein“, sagte Vorsitzender Günther Frank. Zusammen mit seiner Tochter Katja hatte er in bewährter Weise die stets mit großer Spannung erwartete volkstümliche Show arrangiert. 23 Punkte standen auf dem prallvollen Ablaufplan. Schon der fetzige Einzug ließ erahnen, wie schwungvoll die über anderthalb Stunden dauernde Revue ausfallen würden. Von Schlager über Volksmusik und Musical bis zum Rock ging der vergnügliche Spaziergang querbeet durch die Genres der Unterhaltung, inklusive Abstecher ins Komödiantische wie der schwäbischen Frauenpower „Mir roichts, das i woiss, i kennt, wenn i wollt.“ Auch eine Hommage an den verstorbenen Udo Jürgens, gefeiert als „einer der größten Künstler unserer Zeit“, durfte nicht fehlen.

Ensemble 2015
Jahresfeier 2015: Ensemble

Mit seinem Markenzeichen kopiert sich der Verein nicht selber, immer wieder aufs Neue werden erstaunliche Akzente gesetzt. Das war auch an der Kulisse abzulesen. Geriet das Bühnenbild bislang meist musikantenstadlartig, dominierte jetzt dekorative High-Tech mit Lichtkegeln in wechselnden Farben vor dem großformatigen Foto eines Mustergartens. Die Sandland-Stars liefen hier zur Bestform auf, selbst der Kleiderwechsel – häufiger als bei Helene Fischer – gehorchte professionellen Maßstäben.

Das Publikum ließ sich verzaubern bei diesem Ausflug in die sorgenlose Welt, wo die „Heimat im Herzen“ getragen wird und mit dem „Einmaleins vom Glücklichsein“ gerechnet wird, wie einzelne Titel als Lebensmotto empfahlen. Besonders beeindruckte Aylin Deiss, ein 15-jähriges Talent, das sich vor zehn Jahren erstmals auf die Bühne wagte. Ihre Gesangsausbildung kann als Grundstock für eine vielversprechende Karriere angesehen werden, auch wenn sie sich vielleicht doch lieber für den Fußball entscheiden sollte.

Koch Hardi Hänle 2015
Koch Hardi Hänle 2015

Für die Heiterkeit war vor allem Hardi Hänle zuständig. Bei seinem Kochkurs – es gab Grießschnitten – hätte selbst Johann Lafer noch etwas lernen können. Im wirklichen Leben hat es Hänle in fünf Jahren mit seiner Kultsendung „Heißer Herd“ im Freiburger Studentenradio „Echo FM“ zu einiger Berühmtheit gebracht.

Kaisersbachs Bürgermeisterin Katja Müller erlebte einen mehr als amüsanten Abend: „Ich bin immer wieder fasziniert und überrascht, wie eine relativ kleine Truppe so etwas Professionelles auf die Beine stellen kann – und alles live gesungen, das ist wirklich fantastisch.“ Wer keine der jeweils 366 Karten ergattert habe, „hat etwas verpasst“. Zu den Stammgästen zählen die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Unterrot, der diesmal mit mehr als 40 Fans angereist war. Die Gemeindechefin ist sich auch des Werts der Frühjahrsfeier für das Renommee ihres Ortes bewusst:
„Ich bin stolz, dass der Gesangverein Hellershof sie in unserer Halle veranstaltet.“

Hans Georg Frank

INFO

Die Mitwirkenden

Für die Frühjahrsfeier verstärkt sich der sonst von Wolfgang Hänle geleitete Liederkranz mit
Sängerinnen und Musikanten. Auf der Bühne standen: Heinz Brückner, Aylin und Daniela Deiss,
Martin Fordinal, Günther und Katja Frank, Hardi und Hermann Hänle, Axel Hannemann, Anni Hirzel, Chris Macchini, Werner Rothweiler, Sonja Schmidt, Heribert und Karin Schwenger, Martin Thorwart, Bernd Weller, Monika Weller.

In Küche, Service und Technik waren über 50 Helfer eingespannt.

Sandland fand seine Superstars

Für nächste Jahresfeier des Liederkranzes Hellershof sind erste Karten schon bestellt

Der Hellershofer Gesangverein hat seine Fans wieder einmal begeistert, sofern sie überhaupt eine Karte bekommen haben. Zwei Vorstellungen der Jahresfeier waren in zwei Stunden ausverkauft.

Von Hans Georg Frank

Wäre Michael Segan nicht amtierender Bürgermeister von Alfdorf sondern Programmdirektor des SWR-Fernsehens, würde er die Jahresfeier des Hellershofer Gesangvereins in voller Länge übertragen. Segan, zum zehnten Mal Gast bei der beliebten Veranstaltung in der Kaisersbacher Gemeindehalle, zeigte sich „total begeistert“ von der Leistung der Laien: „Die ganze Bandbreite der Volksmusik wird abgedeckt.“ Tatsächlich sind die Sandländer Sänger vom Fernsehen durchaus entdeckt worden. Ein Team aus Heilbronn hatte sich den Neuzugang des Liederkranzes, den US-Amerikaner Chris Macchini, für eine „Landesschau“-Reportage ausgesucht. Der 30-Jährige aus Chicago verstärkt erst seit November 2013 den Chor der „Eintracht“, hat sich aber in kurzer Zeit als Glücksfall erwiesen.

Chris Macchini
Chris Macchini

„Wir sind sehr stolz und glücklich, dass Chris zu uns gekommen ist“, erklärte Vorsitzender Günther Frank. Ihm ist sehr wohl klar, dass ein studierter Musiker wie Macchini auch einem Großstadt-Chor zur Ehre gereichen würde. Gerade einem Männergesangverein auf dem Land tue ein solch sympathisches Talent gut – und könne möglicherweise andere Hobbytenöre zum Besuch der Singstunde bewegen.

Chris Macchini ließ sich nichts anmerken von eventuellem „stage fright“, wie Lampenfieber in seiner Sprache heißt. Ob als Solist im Chor unter Leitung von Wolfgang Hänle oder in der populären Revue – dem Markenzeichen der „Eintracht“ – als Entertainer, er faszinierte das Publikum, auch weil er auf Starallüren verzichtete und sich optimal integrierte. „Ich habe eine Gänsehaut bekommen“, war selbst von Stammgästen zu hören.

Mit der Jahresfeier bewies der kleine Verein erneut, dass eine solche Ansammlung von Idealisten für die Zukunft bestens gerüstet ist. Beide Veranstaltungen waren innerhalb von zwei Stunden restlos ausverkauft. Diese Mischung aus herkömmlichem Liedgut und moderner Volksmusik, dieses Mal mit auffallend vielen rockigen Rhythmen, entspricht offenbar genau den Erwartungen der treuen Fans. Immerhin behauptet sich diese Leistungsschau seit 1973 und damit länger als der ZDF-Dino „Wetten, dass…?“, der 1981 auf die Bildschirme kam und jetzt mangels ausreichenden Interesses eingestellt werden muss.

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Das Singteam des Liederkranz Eintracht Hellershof vor der Seiser Alm

Die Hellershöfer haben sich mit ihrer Art des Musikantenstadels geschickt mit anspruchsvollen Erwartungen ihrer Fans arrangiert. Sie blieben ihrer Linie treu, passten sie aber dem Zeitgeist an. Da wird an Details gefeilt, damit das Ganze noch besser zur Geltung kommt. Die Amateure bringen sich mit viel Herzblut ein, sie lassen ihren Spaß spüren, ziehen sich öfter um als Helene Fischer. Nicht zufällig hieß es jetzt in einem Lied, „heute ist ein schöner Tag, den jeder gerne mag“.

Günther Frank hat vor über 40 Jahren fast im Alleingang mit einem Experiment begonnen, als er die ausgetretenen Pfade der Präsentation verließ und Eigenständiges wagte. Nach und nach band er weitere Kräfte ein, verteilte Aufgaben auf mehreren Schultern und sorgt so für immer neuen Schwung. Viel Sorgfalt wird dabei auf eine passende Kulisse verwendet. Wenn für die Jubellieder auf Südtirol eine Miniausgabe der Seiser Alm gebraucht wird, dann baut Günter Köngeter mal eben eine stilvolle Hütte. Auch dafür ist das Publikum dankbar. „Wir haben schon Karten für das nächste Jahr bestellt“, verrieten Dietlinde und Gerhard Langer aus Wißgoldingen, „es ist ein großartiges Programm, ganz toll.“

Hans Georg Frank (hgf)

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INFO

„Willkommen in Südtirol“ war die Eintracht-Feier überschrieben. Den Chor von Wolfgang Hänle begleitete ein Instrumentalensemble mit seinen vielseitig begabten Söhnen Hermann und Hartmut – sie sangen auch bei der Revue mit – sowie Sonja Schmidt (Oboe) und Bernd Büttner (Klavier). Die Ideen zur flotten Revue stammten von Katja Frank, die längst für das Ensemble unverzichtbar ist, und von Marina Banzhaf. Aylin und Daniela Deiss, Anneliese Hirzel, Monika Weller, Günther Frank, Chris Macchini Günter Wahl und Bernd Weller ließen die alpine Lebenslust in wechselnden Besetzungen hochleben. Die musikalische Leitung hatte Martin Fordinal, zu seinem Mini-Orchester gehören Heinz Brückner, Axel Hannemann, Werner Rothweiler, Karin und Heribert Schwenger.

Das Weihnachtskonzert des Liederkranzes Eintracht Hellershof in der Kirche in Hellershof

Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Hänle

Alfdorf-Hellershof. Der Kirchenbesuch im Sandland gilt allgemein als überdurchschnittlich hoch. Doch so bis auf den allerletzten Platz besetzt wie beim Advents- und Weihnachtskonzert des Hellershofer Liederkranzes am Sonntagabend dürfte die Kirche nur bei ganz besonderen Anlässen sein.
„Es ist die stillste Zeit im Jahr“, sang der von Wolfgang Hänle geleitete Männerchor zu Beginn, von einer Instrumentalgruppe mit Flöte, Oboe, Viola, Cello und Cembalo begleitet. „Ja, stimmt das denn überhaupt? Wo haben Sie denn in letzter Zeit Stille erlebt?“, fragte Pfarrer Bauer in der Begrüßung die Besucher.
Er wünschte, dass der Konzertbesuch dazu beitragen möge, die Botschaft der Advents- und Weihnachtszeit zu verinnerlichen. „Bereit zu sein“, mit dieser Frage befasst sich das jugendbewegt-romantische Lied „Auf haltet euer Herz bereit“. Ein volkstümliches Musikstück leitete über zum schönen „Ave Maria“ von Jakob Arcadelt (1504 bis 1568), das an den Gruß des Engels Gabriel an Maria und an das Zusammentreffen von Maria mit ihrer Base Elisabeth erinnert. Sehr ausdrucksvoll vorgetragen wurde es vom gut besetzten Doppelquartett, ebenso wie das aus Mähren stammende „Seht, es kommt die heilige Zeit“.

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Der Männerchor eröffnet stimmgewaltig das Weihnachtskonzert in der Hellershofer Kirche.

Dass die von Martin Fordinal geleitete und begleitete gemischte Singgruppe, die bei den Jahresfeiern den zweiten Teil des Abends bestreitet, auch anders kann, zeigte sich bei Adventsliedern aus Tirol und einem harmonisch sehr interessanten Lied aus Schweden, teilweise in der Originalsprache, und sehr schön sprachlich und dynamisch ausgefeilt. Mit dem gemeinsamen „Macht hoch die Tür“ endete der erste Teil des Konzerts.

Hirtenlieder als Beispiele für Volksfrömmigkeit

Über die Hirten, die kleinen Leute von damals, steht in der Bibel wenig, obwohl sie zu den populärsten Gestalten der Weihnachtsgeschichte gehören. Deshalb, erklärte Pfarrer Bauer, hätten sich die Menschen ausgemalt, wie es denn damals gewesen sein könnte. Hirtenlieder vom Chor und vom Doppelquartett und eine Hirtenweise von der Instrumentalgruppe waren Beispiele dieser alten Volksfrömmigkeit: ein lateinisch-deutscher Wechselgesang von 1623 sowie Lieder aus Deutschland, Österreich und Ungarn.
Mit Weihnachtsliedern aus dem Salzkammergut, aus Böhmen, den Bahamas (mit Solist Bernd Weller) und aus England wurde ausgedrückt, dass Weihnachten überall ist. Aber am schönsten ist es jedoch in der vertrauten Heimat und in der Familie, so die Singgruppe in einem von ihrem früheren Betreuer Hans Predatsch überlieferten Lied. Mit dem „Weihnachtsstern“ nach griff die Singgruppe das Thema des dritten Adventssonntags, des Sonntags „Gaudete“ nochmals auf: „Freuet euch, der Herr ist nah“ und leitete über zum mächtigen mit geradezu Händel’scher Prachtentfaltung gestalteten Schlusschor mit Männerchor, Instrumentalgruppe, Orgel und Trompete „Freu dich o Welt“ nach einem der populärsten englischsprachigen Weihnachtslieder „Joy To The World“.
Das Publikum, das bisher andächtig und konzentriert der Musik und den verbindenden Worten Eberhard Bauers gelauscht hatte, gab nun seiner Freude und Dankbarkeit in langanhaltendem herzlichen Beifall Ausdruck. Chor und Singgruppe bedankten sich mit einer Zugabe – den besinnlichen, im Pianissimo endenden „Weihnachtsglocken“.

Aus „Moin Moin“ wird „buona sera“

Eine 40 Jahre alte Idee erweist sich noch immer als Erfolgsgarant. Der Hellershofer Gesangverein bewies dies bei der Jahresfeier, die so viele Besucher in die Kaisersbacher Gemeindehalle lockte wie nie zuvor.

Von Hans Georg Frank

Kaum jemand vermochte zu glauben, dass die Abkehr vom obligatorischen Theaterstückle zugunsten einer Musikrevue Marke Eigenbau auf Dauer das Publikum begeistern würde, als vor vier Jahrzehnten der experimentierfreudige Sandländer Liederkranz die ausgetretenen Pfad verließ. Inzwischen ist die Nachfrage nach Karten so groß geworden, dass sogar zwei Veranstaltungen nicht mehr ausreichen – in der Halle mussten zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Die Popularität ist einer bewährten Zweiteilung zu verdanken. Zunächst zeigt der Männerchor unter der Leitung von Wolfgang Hänle, wie gut er bei Stimme ist, dann entführt ein gemischtes Ensemble in eine Traumwelt aus Sehnsucht und Geborgenheit. Der 1899 gegründete Gesangverein verknüpft Tradition und Fortschritt, wenn er seine Version eines volkstümlichen Musikantenstadls öffnet.

Liederkranz Eintracht Hellershof
Der Liederkranz Eintracht Hellershof

Diesem System folgte die „Eintracht“ auch am letzten Samstag und Sonntag, als sie die Besucher mitgenahm zu einer musikalischen Reise von der Nordsee zur Adria. Hänles Männer hatten zur Einstimmung auf den ideellen Ausflug elf Lieder einstudiert, mit Hymnen auf den Rennsteig, die Mühle im Schwarzwälder Tal bis hin zu Santa Lucia im 1300 Kilometer entfernten Neapel. Die Zuhörer genossen auch das Wiederhören mit dem altbekannten „Pferde zu vieren traben“, einem Volkslied aus dem Tessin. Hänle hatte einen Teil des Repertoires ganz speziell für seine Tenöre und Bässe arrangiert.

Fast echter Küstensand, Muscheln, Seesterne, Strandkorb, Kapitänsmütze, Wanderrucksack, Flaschenpost, Schatzkiste mit Goldstücken, Fischermetze, dazu fernwehfördernde Bilder beliebter Urlaubsziele – in dieser Kulisse spielte sich der Kurzurlaub ab, den Vorsitzender Günther Frank mit seinen Akteuren inszenierte. Schon im Foyer wurden die „Eintracht“-Fans mit italienischem Ambiente empfangen: Vespa PX 80E, Gelati, doppelsitziges Riminirad. „Wir haben uns so auf euch gefreut, auf ein paar Stunden Gemütlichkeit“, ließ sich das erwartungsvolle Publikum beim schmissigen Auftakt mit programmatischer Ansage begrüßen.

Gelati 2013
Gelati in der Kaisersbacher Halle

Landestypisch hießen die Reiseleiter alle willkommen: Von „Moin moin“ der Nordseeküste über das „Grüß Gott“ an diversen alpinen Boden-, Wörther- und Wolfgangseen bis zum „buona sera“ an italienschen Gestaden.

Ein pralles Programm mit 23 Positionen, angereichert mit witzigen Einlagen, sicherte nahezu zweistündige Kurzweil fernab alltäglicher Mühsal. Immer wieder wurde das Publikum einbezogen, einigen Gästen wurde leckeres Eis und heißer Espresso serviert. Nordseewellen plätscherten an den Strand, Seeleute schwärmten von der Liebe im Hafen und der Reeperbahn nachts um halb eins, ehe das Etappenziel Berlin mit einer Tanzeinlage erreicht war. Die Lüneburger Heide bevölkerte Nachwuchsschäfer Christian (14) mit dem drei Wochen jungen Böckle Alfons aus

Jahresfeier 2013 Gabalier
Günter Wahl als Sandländer Ausgabe von Andreas Gabalier kam nicht ohne Zugabe aus der Halle.

In Heidelberg ging ein Herz verloren, das ein bayrisches Cowgirl entdeckt haben könnte. Als hüftschwingender Herzensbrecher bewährte sich Günter Wahl vom Ebersberg als die Sandländer Ausgabe von Andreas Gabalier beim fetzig-gefühlvollen „Sweet little Rehlein“ erneut so trefflich, dass der österreichische Volks-Rock’n’Roller seinen Auftritt in Heilbronn am 4. Oktober getrost dem Double überlassen könnte. Über Kastelruth, wo angeblich das Herz der Welt schlägt, erreichte die fröhliche Reisegesellschaft südliche Gefilde für ein temperamentvolles Finale mit italienischen Ohrwürmern wie „Marina“, „Azzurro“ und „Volare“. der 120-köpfigen Herde des Beutenhofes. Das knuffige Lämmchen erwies sich mit seinem ausdauernden „Mäh“ als stimmkräftige Verstärkung.

Stammgäste, die seit Jahren die Entwicklung der flotten Feier miterleben, waren sich weitgehend einig in ihrem Urteil: „Das war die beste Show.“

Für den Verein immer unter Strom

Rudolf Knödler singt seit 50 Jahren – Ehrungen auch für 40jährige Treue zur Hellershofer „Eintracht“

Drei besondere Ehrungen standen im Mittelpunkt des Familienabends des Hellershofer Gesangvereins. Ein Sänger hält dem Chor seit einem halben Jahrhundert die Treue, zwei Kameraden kommen seit 40 Jahren in die Singstunde.

Von Hans Georg Frank

Für Edeltraut Schurr, Geschäftsführerin des Chorverbands Friedrich Silcher, ist die Ära der Männerchöre noch lange nicht zu Ende. Auch wenn immer mal wieder der Abgesang angestimmt wird auf diese althergebrachte Form des Kulturschaffens, sieht die Fachfrau aus Welzheim bei den Liederkränzen doch eine positive Perspektive – „wenn sie Nachwuchs bekommen“. Für Gesangvereine seien, neben der Verbundenheit mit dem Liedgut, „nette Gemeinschaft und Zusammenhalt“ sehr wichtig, sagte Edeltraut Schurr beim Familienabend der Hellershofer „Eintracht“ in der Gaststätte Hagerwaldsee.

Die Geschäftsführerin war zu dieser traditionellen Zusammenkunft – stets verbunden mit leckerem Rehbraten – gekommen, um drei aktive Mitglieder besonders zu ehren. Gerhard Weller, 1. Bass und etliche Jahre auch stellvertretender Vorsitzender, war vor 40 Jahren von seinem früheren Schulkameraden und heutigen „Eintracht“-Chef persönlich an einem Sonntagmorgen angeworben worden. Der Hausbesuch mit direkter Ansprache hatte auch im Nachbarort Erfolg, konnte doch dort der Tenor Robert Knödler von den Vorzügen des gemeinschaftlichen Singens und Feierns überzeugt werden. Beiden Sängern überreichte Edeltraut Schurr die silberne Ehrennadel des Schwäbischen Chorverbands, der Liederkranz belohnte die Verbundenheit mit einem goldenen Notenschlüssel fürs Revers des Clubsakkos.

Ein halbes Jahrhundert lang gehört Rudolf Knödler schon zum lebenden Inventar des Sandländer Liederkranzes. Dabei hat er sich nicht allein als Tenor unentbehrlich gemacht, auch als Spezialist für elektrische Einrichtungen mag ihn niemand vermissen. Seinen Idealismus würdigte Edeltraut Schurr mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Chorverbands, vom Verein gab es zudem einen goldenen Notenschlüssel mit Brillant.

Foto: hgf
Auszeichnung durch Edeltraut Schurr vom Chorverband Friedrich Silcher (von links) Robert Knödler und Gerhard Weller für 40 Jahre im Hellershofer Gesangverein, Rudolf Knödler gehört seit 50 Jahren zur „Eintracht“, deren Vize-Vorsitzender Tobias Herrmann stolz auf solche engagierten Mitglieder ist.

„Singen macht nicht nur klug und warm, es ist auch gesund und kostet nichts“, betonte die Geschäftsführerin. Dabei konnte sie auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, singt Edeltraut Schurr doch bereits seit 50 Jahren im Liederkranz Lorch-Waldhausen. Von Amts wegen hat sie auch den Überblick über das Schaffen in 103 Vereinen. Dabei kann die Sandlänger „Eintracht“ ein Alleinstellungsmerkmal für sich in Anspruch nehmen: Nirgendwo sonst muss die Jahresfeier an zwei Abenden aufgeführt werden, weil das Interesse des Publikums an diesem unterhaltsamen Spektakel so groß ist.

Vorsitzender Günther Frank schwor seine Mitglieder samt Angehörige auf diese Veranstaltung am Wochenende nach Ostern in der Gemeindehalle Kaisersbach ein: „Nur gemeinsam sind wir stark, also halten wir zusammen.“ Der Rehbraten sollte denn auch als „Stärkung für bevorstehende Aufgaben“ verstanden werden.

 

INFO

Die Jahresfeier des 1899 gegründeten Gesangvereins findet am 6. und 7. April statt. Karten für die beliebte Leistungsschau des Amateurgesangs wird es im Vorverkauf geben. Die „Eintracht“ bietet Gastsängern die Möglichkeit zu aktiver Mitwirkung, wenn sie jetzt in die Singstunde (donnerstags in den Vereinsräumen im Schulhaus Hellershof) kommen. Danach kann man entweder dabei bleiben oder wieder seines Weges gehen.